Der Azabache aus Hechingen
Oftmals erweisen sich kleine und unscheinbare Dinge von kostbarem Wert. Diese schlichte Weisheit bestätigt sich im Hohenzollerischen Landesmuseum, das im Alten Schloss die Geschichte und Kunstgeschichte der ehemaligen hohenzollerischen Lande in einer sehr ansprechenden ständigen Ausstellung präsentiert. Zu seinen bedeutenden Kunstschätzen zählen außer zahlreichen Statuen und Gemälden nicht nur der bekannte Laizer Apostel von ca. 1330 und die berühmten Kreuzwegstationen des Bildhauers Joachim Taubenschmidt (16. Jh.), sondern auch ein kleiner, nur 3,4 cm großer Gegenstand, der in einer der Vitrinen ausgestellt ist.

Es handelt sich um einen sogenannten “Azabache“, der 1957 im Klostergarten von Sankt Luzen gefunden wurde und seitdem zu den kunst- und kulturgeschichtlichen Raritäten des Hohenzollerischen Landesmuseums gehört. Der vor allem in Nordwestspanien vorkommende schwarze Halbedelstein Gagat (span. azabache) wurde für die Herstellung kunstgewerblicher Objekte, insbesondere Schmuck, Amulette und Devotionalien, verwendet. Santiago de Compostela war ein Zentrum der Gagatschneider, an dem seit dem Mittelalter auch zahllose Jakobus-Devotionalien wie der vorliegende „Azabache“ hergestellt worden sind. Die im Klostergarten von St. Luzen geborgene Figur entspricht dem ikonographischen Typ des Jacobus peregrinus. Sie zeigt einen bärtigen Pilger in langem, schlichtem Gewand mit Stab, Tasche und Pilgerhut, von dem allerdings die vordere Krempe mit der Jakobsmuschel abgebrochen ist. Das Figürchen ist seitlich durchlöchert und wurde entweder als Anhänger am Rosenkranz oder als Anstecker an Hut oder Mantel getragen.
Aus deutschen Museen sind insgesamt vier “Azabaches” bekannt. Die Bandbreite ihrer Datierung reicht vom 15. bis ins 19. Jh. In Bönnigheim bei Heilbronn wurde ein ganz ähnlicher “Azabache”-Jakobus aus dem 15./16. Jh. auf dem ehemaligen Friedhof entdeckt. Wann und auf welche Weise das Hechinger Jakobusfigürchen in den Klostergarten von St. Luzen gelangte, ist schwer zu sagen, da weder über die Fundsituation selbst noch über das Alter der Figur genauere Angaben überliefert sind. Mit Sicherheit stammt das Figürchen aber von einem Jakobspilger, der die wertvolle Devotionalie als Zeichen seiner vollzogenen Wallfahrt nach Santiago de Compostela vom Grab Apostels Jakobus mitgebracht hat. Hechingen war schon im Mittelalter ein bedeutendes Zentrum der Jakobusverehrung und ist auch heute wieder Zwischenstation für Jakobspilger.
Weiterführende Links
- Das Hohenzollerische Landesmuseum
- Das Azabachen-Museum in Santiago di Compostela
- Buchbesprechung “Jakobswege zwischen Neckar und Bodensee”
- Alle Artikel auf diesen Seiten über Hechingen

