Buchbesprechung: Andrea Bachmann: Wallfahrtsorte zwischen Neckar und Bodensee

Wer auf den Jakobswegen zwischen Tübingen und Konstanz pilgert, wird auch durch den einen oder anderen Wallfahrtsort geführt. Andrea Bachmann hat sich in ihrem Buch eines Teils dieser Wallfahrtskirchen und -kapellen angenommen. Entlang der Via Beuronensis sind dies die Stiftskirche (Tübingen), Weggental (Rottenburg), Erzabtei St. Martin (Beuron), Maria im Stein (Owingen), Frauenberg (Bodman), die Hausherrentage (Radolfzell) und die Ulrika-Krypta (Hegne). 13 weitere Wallfahrtsorte hat Andrea Bachmann in ihr Buch aufgenommen. Damit hat sie bei weitem nicht alle beschreiben können und wollen, denn alleine in der Diözese Rottenburg-Stuttgart gibt es 117 bestehende Gnadenstätte. Die Autorin beschreibt Wallfahrtskirchen, Volksglauben und die Ordensangehörigen, die sich um die Seelsorge kümmern. Auch verspricht sich die Autorin ein (schlummerndes) Potential für die Ökumene. Warum das so ist, zeichnet sie epochal ebenso nach wie beispielsweise die Unterschiede der Begriffe Pilgern und Wallfahren oder auch die Motivationen, auf zuweilen anstrengenden Wegen dem Glauben nachzugehen.
Ebenso persönlich wie die Auswahl ist auch die Darstellung der Wallfahrtsorte. Lebendig und mit Liebe zum Detail beschreibt die Autorin Volksglauben und Wallfahrtsorte. Mit gebotener Nüchternheit, doch einfühlsam und optimistisch im Erzählen lässt Andrea Bachmann keinen Zweifel daran, dass diese Glaubenspraxis nur auf ausschließlich touristischer Ebene ein historisches Phänomen darstellt. Trotz aller religiösen Konsequenz überlässt die Autorin Mirakel aber doch lieber den sensationsbedürftigen Bustouristen und plädiert für eine Offenheit zur Verwandlung des eigenen Selbst im Geiste der Fuß- und Fahrradwallfahrt. So gibt die Autorin ein lebendiges Zeugnis der Zeugen, die in erstaunlicher Beharrlichkeit für die Erhaltung von Wallfahrten sorgten und sorgen.
Das Buch ist ein schöner Begleiter und Wegweiser, nicht nur, wenn man als Jakobspilger von Tübingen nach Konstanz Richtung Santiago de Compostela durchreist, sondern auch für die heimgekehrten Pilger, die zu Hause oder im Urlaub die Orte, Rituale und Bräuche der Region kennen lernen möchten.

