Die Pilgerkirche St. Jodok in Überlingen
Zuerst fällt das Kirchlein, 1424 durch eine Bürgerstiftung entstanden, in der Häuserzeile gar nicht auf, wenn man den Pilgerweg durch „das Dorf“ (der Weinbauern) herunter kommt. Doch dann entfaltet es seine Präsenz zu Ehren des Heiligen Jodokus aus Frankreich. Er verzichtete wie sein Bruder auf die Königswürde und wurde Einsiedler.
Die Ausstattung belegt die Auffassung, dass die Verehrung dieses Heiligen, den die Rebleute als Schutzpatron ihrer Kirche wählten, im Lauf der Zeit mit der Verehrung des Apostels Jakobus d.Ä. verschmolz. Es gab eine Jakobsbruderschaft, die sich hier versammelte und von Pfullendorf oder Weingarten kommende Pilger betreute, die teils sogar in der Kirche übernachteten. Manchen bereiteten sie Quartier im Siechenhaus zwischen den beiden Stadtmauern.

Rechts oberhalb des Eingangsportals mit den auffälligen, Segen erbittenden Schleif- oder Wetzspuren ist St. Jakobus dargestellt, dessen lange fehlende rechte Hand kürzlich bei Aufräumarbeiten von einem Nachbarn gefunden und mit Pilgerstab wieder angefügt wurde. Die linke Glocke über dem Giebel zeigt St. Jakobus, sie wurde ihm geweiht.
Die teils gut erhaltenen Malereien an den Innenwänden erzählen lebhaft vom ‘Hühnerwunder’ aus der Legendensammlung um den Apostel Jakobus. Man vermutet den Maler im Kreis der Illustratoren der Richenthal-Chronik des Konstanzer Konzils. Gewandzipfel des am Galgen hängenden Pilgers wehen nach allen Seiten. Das bedeutet in der mittelalterlichen Bildsprache “hier spricht Gott” – nämlich ein anderes Urteil. Die Legende finden Sie bei eichinger.ch
Das Wandgemälde des Hühnerwunders von Santo Domingo de la Calzada in der Jodokuskapelle

Gegenüber das memento mori: >der ir da sind der waren wier der wier sind der weret ir<.
Ein Schlussstein im Kreuzrippengewölbe des Chores zeigt St. Jodok mit Pilgerstab und Krone. Links vom Hauptaltar lohnt ein Blick durch das Gitter der Sakristei. Dort steht geschützt der hl. Jakobus als spätgotische Zunftstangenfigur. An der Brüstung der Empore zeigt Rötelmalerei eine zweite Variante des Hühnerwunders. Und natürlich zeugt der Marienaltar von ihrer hohen Verehrung durch die Pilger. Am Hochaltar hinter der Kreuzigungsgruppe trägt der Pilgerheilige St. Rochus Jakobsmuscheln auf seinem Pilgergewand, die Putti außen tragen Kalebasse und Pilgerstab.
Den Schlüssel zur Kirche bekommen Sie in der Jodok-Buchhandlung nebenan.

