Das Klausenhorn
Geschichte und Geschichten vom Klausenhorn in Dingelsdorf bei Konstanz
Pilger, die heute auf dem Jakobsweg von Überlingen nach Wallhausen übersetzen, passieren auf der Alternativroute von Wallhausen nach Konstanz (Wegbeschreibung) nach einer guten Seemeile die Spitze des Klausenhorns mit seiner Sturmwarnanlage und den vor Untiefen, also Flachwasserzonen, warnenden Seezeichen 20 und 21.
Noch bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war die Überfahrt Überlingen – Klausenhorn die sicherste und damit wichtigste Verbindung über den Bodensee. Stürme kommen an diesem meist so heiteren See oft unvermittelt und mit heftiger Gewalt, da ist jeder Seefahrer dankbar, den sicheren Hafen schnell anlaufen zu können. Im flachen Wasser vor dem Klausenhorn, der Wysse (hier schimmert das Weiße des Sandufers durch), hat die Unterwasserarchäologie Reste von Pfahlbausiedlungen entdeckt. Sie werden von Schlick und Sand konserviert. Wenn Stürme das Ufer aufwühlen, werden manchmal Siedlungsfunde der Jungsteinzeit oder frühen Bronzezeit frei gespült. Ab Ende 2009 werden sie in einem kleinen Museum im Dingelsdorfer Rathaus zu sehen sein.

“Seit Menschengedenken” gibt es Überfahrten von Überlingen zum “St. Nikolaus”, wie es in mittelalterlichen Urkunden heißt. Wenn man bei Niedrigwasser an der Sturmwarnleuchte ein wenig verweilt, kann man Richtung Seezeichen alte Pfahlreste aus dem Wasser ragen sehen. Das war die Schiffslände. Von Überlingen grüßt das Nikolausmünster und gleich darunter die mächtige „Gret“, das alte Lagerhaus. Ob hier auch die Erträgnisse der Reichenauer Lehen oder der Ländereien des Konstanzer Bischofs zwischengelagert wurden, bis die Winde für die Überfahrt günstig waren? Mit im Boot die Pilger? Den umgekehrten Weg nahmen die berühmte Konstanzer Leinwand und Seidengewebtes.
Fährleute und Schiffer hatten hier ihrem Schutzpatron, dem hl. Nikolaus von Myra (externer Link), er ist auch Schutzpatron der Pilger (!), eine Kapelle gebaut. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie wegen Baufälligkeit abgerissen. An ihrer Stelle erinnert heute das Kreuz, noch lange Wallfahrts- und Dankort, an Rettung aus Seenot.
Historisch nicht belegt, aber mit Wahrem vermischt ist eine Geschichte, in der das Klausenhorn zur Zeit des Konzils eine Rolle gespielt hat. König Sigismund hatte ja 1414 das Konzil nach Konstanz berufen, um das Schisma der drei regierenden Päpste zu beenden. Papst Martin V. wurde zwar 1417 gewählt, damit aber noch nicht alle schwierigen politischen, kirchliche und weltliche, Konflikte befriedet. Sigismund war immer wieder zu Kriegshändeln unterwegs, fehlte deshalb und bekam 1417 eine definitive Einladung: Wenn er nicht rechtzeitig zur Christmette am Heiligen Abend im Münster sei, werde sich das Konzil vertagen. Sigismund kam, in Eile über das Klausenhorn und das Konzil konnte 1418 zu Ende geführt werden. Ignaz Heinrich von Wessenberg, reformfreudiger letzter Bistumsverweser von Konstanz wählte diese Überfahrt, wenn er im Überlinger Priesterseminar die theologischen Prüfungen abnahm.
Quellen:
- Geistlicher Rat Pfr. Albert Riesterer: Dingelsdorf, 3. Aufl
- Geschichte der Stadt Konstanz, Stadler
- Dingelsdorf am Bodensee-Beiträge zur Ortsgeschichte Hrsg. Helmut Maurer, Ortsverwaltung Dingelsdorf

