Klosterinsel Reichenau
Allensbach war reichenauischer Stapel- und Lagerplatz, wichtigste Verbindung der Klosterinsel zum Festland. Möchte man einen Abstecher auf die Insel machen, ist das von Karfreitag bis Anfang Oktober von der Schiffslände aus möglich. Auf der Insel fährt stündlich ein Bus, zusätzlich gibt es zwischen Ostern und Oktober einen Inselbus, der die Sehenswürdigkeiten anfährt.

724 gründete der Wandermönch Pirmin eine Benediktinerabtei, die sich schon bald zu einem bedeutenden Zentrum für Wissenschaft und Kunst entwickelte. Die Bibliothek zählte zu den größten des Abendlandes, hochrangige politische Verbindungen machten das Kloster vom nahen Bistum Konstanz unabhängig. In der zweiten glanzvollen Epoche um die Jahrtausendwende entstanden in der Buchmalerei Schätze von Weltbedeutung. Der Reichenauer Klosterplan, in der Stiftsbibliothek St. Gallen zu sehen, zeigt heute noch das Ideal des Zusammenspiels zwischen spirituellem, wissenschaftlichem, künstlerischem Leben, und der Achtsamkeit im Umgang mit den leiblichen Bedürfnissen.
Wenn unsre Zeit Klosterheilkunde und Naturheilweisen wieder entdeckt hat, konnte sie nicht zuletzt zurückgreifen auf den “Hortulus” von Walahfrid Strabo. Astronomischen Berechnungen, Notenschrift, geschichtliche und literarische Werke Hermanus Contractus [Hermann von der Reichenau] haben die Nachwelt geprägt. Seine Marienantiphon “Alma redemptoris mater” eroberte das christliche Abendland. Aber – neuere Forschungen ergaben, dass er wohl kaum Verfasser des “Salve Regina” sein kann, wahrscheinlich stammt es von Petrus von Compostella. Unbestritten ist, dass es von der Reichenau aus seine Verbreitung fand, dass die Reichenau “eigentliche Ausgangsstätte” der Marianischen Antiphonen überhaupt sei.

Eginokapelle in Niederzell
Hinweise auf die Verbindung des Inselklosters zum Pilgerpatron Jakobus sind zahlreich. Von der Reichenau aus breitet sich im 9. Jh. nach der Auffindung seines Grabes die Verehrung in deutschen Landen aus. In Martyrologen Hermanus Contractus und St. Gallens finden sich Zeugnisse. Die Reichenau hatte Reliquien des Sankt Jago von Compostela. Jakobus ist in der Mitteltafel des Flügelaltars im Reichenauer Münster dargestellt. 930 entstand der älteste Hinweis auf einen Jakobspilger, der auch in Compostela gewesen sei: In der selben Woche kam ein Kleriker, der von Mutterleib an blind war, aber nicht nur blind war er, sondern auch unfähig, seine Gliedmaßen zu gebrauchen…Nachdem dieser schon durch verschiedene Heiligenorte gekommen war, hatte er auch das Grab des hl. Jacubus in Galicien besucht. Dort erlangte er zuerst sein Augenlicht. [Mehr in: Fredy Meyer, Jakobswege, s.u.]
800 Jahre nach der Gründung bekamen die Konstanzer Bischöfe endlich Macht über das Kloster, das damit endgültig seine Bedeutung verlor. Nach weiteren 200 Jahren wurde es aufgelöst. Die letzten Mönche vertrieb 1803 die Säkularisation.
Nach 200 Jahren kamen 2001 wieder Benediktiner auf die Insel. Im Juni 2004 weihte die Erzabtei Beuron ihre Cella S. Benedikt ein. Hinweise auf die Stundengebete findet man unter www.benediktiner-reichenau.de.
Bedeutende Zeugen der sakralen Baukunst aus monastischer Zeit sind neben dem Marienmünster St. Markus die Kirchen St. Georg in Oberzell und Peter und Paul in Niederzell. Ganz bewusst wird hier auf kunstgeschichtlich Bedeutsames im Überblick und Details verzichtet, es sei dem Pilger überlassen, wo er verweilen, was er vielleicht durch erklärenden Text näher kennen lernen möchte. Kirchenführer liegen in den Gotteshäusern aus.
Quellen:
- Konrad Beyerle, Kultur der Abtei Reichenau II, Verlag der Münchner Drucke 1925
- Handbuch der historischen Stätten Deutschlands - Baden Württemberg, Kröner 1965
- P. Lukas Helg, Ensiedler Salve Regina, Kloster Einsiedeln 2006
- Fredy Meyer, Du stellst meine Füße auf weiten Raum. Jakobswege zwischen Neckar und Bodensee, werk zwei Print und Medien
- Eva Moser, Bodensee, DuMont Kunst-Reiseführer 2002
- Hans Oesch, Berno und Hermann von Reichenau als Musiktheoretiker, Paul Haupt 1961
- Foto Handschrift: Einsiedeln, Stiftsbibliothek, Cod. 631 (915), Processionale, 14. Jh.: Seite 190-192. Salve Regina mit Quadratnotation

