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Alle Beiträge zum Stichwort Klöster

Buchbesprechung: Jakobus Kaffanke OSB, Joachim Köhler (Hg.): Mehr nützen als herrschen!

Raphael Walzer OSB, Erzabt von Beuron, 1918-1937

Raphael Walzer

Nach langem Anlauf ist es den Herausgebern Bruder Jakobus Kaffanke und Joachim Köhler gelungen, eine erste Aufsatzsammlung zu Raphael Walzer vorzulegen. Er war der vierte Erzabt des Benediktinerklosters Beuron im Oberen Donautal. Noch nicht 30jährig wurde er mit päpstlicher Dispens im Kriegsjahr 1918 in das Amt des Kloster- und Kongregationsregenten gewählt. Das Amtsmotto Erzabt Raphaels “Mehr nützen als herrschen!” ist zugleich der Titel des kirchengeschichtlichen Buches. Nicht nur aufgrund seiner Jugend geriet er in den knapp 20 Jahren seines Abbatiates in die Wirren der 20er und 30er Jahre. Erzabt Raphael legte 1937 vor dem Hintergrund seiner konsequenten Ablehnung des Nationalsozialismus, machtorientierter Intrigen und zum Schutze der Beuroner Mönchsgemeinschaft sein Amt nieder. Sein weiterer Weg führte ihn in die Emigration und durch weite Teile der Welt. Trotz und gerade wegen der schwierigen Quellenlage werden die Forscher nicht müde zu betonen, dass sie ihre Arbeit als einen Anfang verstanden wissen wollen, der hoffentlich von jungen Forschern und Autoren aufgegriffen und fortgeschrieben wird.

Es kann jedoch weder in diesem Buch noch in zukünftigen Publikationen über Erzabt Walzer bei der Aufklärung der tragischen Umstände seines Amtsverzichtes bleiben. Das Wirken Erzabt Walzers ist für Kirche, Deutschland und Europa bis heute von Tragweite. Er gründete Klöster, beispielsweise in Württemberg Kellenried und Weingarten oder in der Ferne Tonogaoka/Japan und Tlemcen/Algerien. Auch die Abtei Neuburg bei Heidelberg, in der Raphael Walzer die letzten Monate seines Lebens verbrachte, gehört zu seinen Wiederbelebungen. Nach Erlangung der französischen Staatsbürgerschaft war er der erste Gründer eines Kriegsgefangenenseminars für Theologen in Rivet/Algerien.

Die Bedeutung Erzabt Raphaels spiegelt sich auch in seinen wichtigsten Begegnungen. Er war der spirituelle Begleiter von Edith Stein und auch derjenige Priester, der dem Einkleidungsgottesdienst zur Schwester Theresia Benedicta a Cruce nach ihrem Eintritt in den Kölner Karmel vorsaß. Auch der Rottenburger Eugen Bolz, Staatspräsident von Württemberg, fand in Walzers Beuron nicht nur den Ort seiner Hochzeit mit Maria Hoeneß, sondern auch geschützten Rückzug nach seiner Haft im Konzentrationslager. Trotz des wissenschaftlichen Charakters des Buches können die Leser in diesem Buch das Lebensbild eines standhaften und beharrlichen Christen nachzeichnen, der immer auf Augenhöhe mit seiner Zeit war, die Verhältnisse klar zu interpretieren wusste und der seinem Auftrag als Mönch zeitlebens treu blieb. Eine Heimkehr nach Beuron blieb ihm zeitlebens versagt, erst sein Tod führte ihn zurück in die Krypta der Abteikirche. Zahlreiche Fotografien und ein umfangreiches Personen-, Orts- und Sachregister ergänzen die biographische Studie.

Das Buch ist in der Beuroner Klosterbuchhandlung erhältlich, Telefon 07466/17-157.

Jakobus Kaffanke OSB, Joachim Köhler (Hg.)
Mehr nützen als herrschen!
Raphael Walzer OSB, Erzabt von Beuron, 1918 - 1937
Beiträge zu Theologie, Kirche und Gesellschaft im 20. Jahrhundert, Band 17
LIT, Münster, 2008
Broschiert, 421 S. zahlreiche SW-Abbildungen

Gästeflügel der Erzabtei St. Martin zu Beuron

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Der Azabache aus Hechingen

Oftmals erweisen sich kleine und unscheinbare Dinge von kostbarem Wert. Diese schlichte Weisheit bestätigt sich im Hohenzollerischen Landesmuseum, das im Alten Schloss die Geschichte und Kunstgeschichte der ehemaligen hohenzollerischen Lande in einer sehr ansprechenden ständigen Ausstellung präsentiert. Zu seinen bedeutenden Kunstschätzen zählen außer zahlreichen Statuen und Gemälden nicht nur der bekannte Laizer Apostel von ca. 1330 und die berühmten Kreuzwegstationen des Bildhauers Joachim Taubenschmidt (16. Jh.), sondern auch ein kleiner, nur 3,4 cm großer Gegenstand, der in einer der Vitrinen ausgestellt ist.

Der Azabache aus Hechingen

Es handelt sich um einen sogenannten “Azabache“, der 1957 im Klostergarten von Sankt Luzen gefunden wurde und seitdem zu den kunst- und kulturgeschichtlichen Raritäten des Hohenzollerischen Landesmuseums gehört. Der vor allem in Nordwestspanien vorkommende schwarze Halbedelstein Gagat (span. azabache) wurde für die Herstellung kunstgewerblicher Objekte, insbesondere Schmuck, Amulette und Devotionalien, verwendet. Santiago de Compostela war ein Zentrum der Gagatschneider, an dem seit dem Mittelalter auch zahllose Jakobus-Devotionalien wie der vorliegende „Azabache“ hergestellt worden sind. Die im Klostergarten von St. Luzen geborgene Figur entspricht dem ikonographischen Typ des Jacobus peregrinus. Sie zeigt einen bärtigen Pilger in langem, schlichtem Gewand mit Stab, Tasche und Pilgerhut, von dem allerdings die vordere Krempe mit der Jakobsmuschel abgebrochen ist. Das Figürchen ist seitlich durchlöchert und wurde entweder als Anhänger am Rosenkranz oder als Anstecker an Hut oder Mantel getragen.

Aus deutschen Museen sind insgesamt vier “Azabaches” bekannt. Die Bandbreite ihrer Datierung reicht vom 15. bis ins 19. Jh. In Bönnigheim bei Heilbronn wurde ein ganz ähnlicher “Azabache”-Jakobus aus dem 15./16. Jh. auf dem ehemaligen Friedhof entdeckt. Wann und auf welche Weise das Hechinger Jakobusfigürchen in den Klostergarten von St. Luzen gelangte, ist schwer zu sagen, da weder über die Fundsituation selbst noch über das Alter der Figur genauere Angaben überliefert sind. Mit Sicherheit stammt das Figürchen aber von einem Jakobspilger, der die wertvolle Devotionalie als Zeichen seiner vollzogenen Wallfahrt nach Santiago de Compostela vom Grab Apostels Jakobus mitgebracht hat. Hechingen war schon im Mittelalter ein bedeutendes Zentrum der Jakobusverehrung und ist auch heute wieder Zwischenstation für Jakobspilger.

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Buchtipp: Umschlag Fredy Meyer Buch